Als Mathematikstudent in die Welt des Webdesigns einzusteigen, hat zu Beginn viele Überraschungen. Das Technische zu können ist eine Sache, die natürlich erstmal die Voraussetzung dafür ist, dass man diesen Beruf überhaupt ausführen kann. Die reichlichen Themen, die man dann nebenbei noch dazu lernen muss, sind dann doch schon sehr unerwartet. Bei meinen ersten Webdesign-Kunden wusste ich nicht viel von Schriftarten, das wurde mir aber dann rigoros von ihnen eintrainiert und mittlerweile kenne ich mich schon ganz gut damit aus. Die Schriftfamilie, die ich persönlich als meine absolute Lieblings-Schriftfamilie bezeichne, ist Roboto. Die Begründung ist folgende.

Helvetica: technisch nicht optimal

Jede Schriftart hat meist ein kleines Detail nicht korrekt. Die sehr populäre Helvetica und Helvetica Now sind das klassische Paradebeispiel der serifenlosen Schriften, die dem Großteil der Kunden gefallen. Kleines Problem bei der Sache, vor allem Helvetica ist problematisch auf Webseiten, da es vom Urheberrecht geschützt ist und deswegen ohne Lizenz nicht verwendet werden darf. Nun kann man natürlich die notwendigen Lizenzen kaufen und die Font auf so eine Art und Weise implementieren, dass jeder Nutzer, der die Schriftart lädt, gezählt und den Lizenzverkäufern automatisch mitgeteilt wird. Helvetica Now gibt es oft nur als Prepaid Pay-per-View, das heißt jeder Aufruf muss gezählt werden über einen externen Datenaufruf, selbst wenn die Schrift lokal installiert ist. Wenn man den Datenschutz bei der Sache mal etwas genauer anschaut, darf man die Helvetica gar nicht erst sehen, bevor der Nutzer diesem nicht explizit zugestimmt hat. Soviel zu dem Problem von Helvetica. Natürlich gibt es aber auch einen kleinen Hack, man kann im CSS z. Bsp. einfach die Helvetica abfragen, und falls der Nutzer vorher eine Seite gesehen hat, die Helvetica hatte, wird auch auf der eigenen Seite Helvetica angezeigt, ohne dass man diese bereitstellen oder kaufen müsste. Man fragt Sie quasi einfach ins Blaue ab, bietet Sie gar nicht an, und hat dann aber die Ersatz-Schriftart auch direkt angegeben. Funktioniert auf allen Macs schonmal garantiert und bei Windows zu 20 %.

Die populären Alternativen: Montserrat, Raleway, Open Sans

Montserrat und Raleway sind die populären Alternativen zu Helvetica. Oft muss der Kunde erstmal den Designer nach der Schriftart fragen, das war irgendeine besondere wird mir mitgeteilt. Die Antwort ist zu 80 % Montserrat oder Raleway. Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, beide diese Schriften sind gängig. Open Sans ist quasi die nutzbare Version von Helvetica. Sie ist technisch sehr gut geeignet für alle Geräte und Anwendungen, sei es Webseiten oder Smart Phone Apps und ist wegen der Lizenzfreiheit auch super mit dem Datenschutz vereinbar. Das Problem bei ihr, dass für mich persönlich ein No-Go ist, ist ihr kleines g, so sieht es aus:

Der Rest von der Schriftart ist super, aber das ist für mich kein g und ich habe mich schon oft dabei erwischt, Überschriften, wo Open Sans verwendet wurde, extra ohne g’s zu schreiben, nur damit es besser aussieht.

Roboto: mein persönlicher Favorit

Meine Nummer eins Schriftfamilie ist Roboto. Alle meine drei Webseiten, pascalcabart.de, studentenwebdesign.de und marketingwerkberlin.de verwenden ausschließlich Roboto, und zwar in beidem, dem Header und dem Body Text. Nun, warum ist Roboto um soviel besser als alles andere? Roboto ist die einzige Schrift, die wirklich alle Punkte abdeckt. Viele kennen sie vom Namen gar nicht, wodurch sie schonmal etwas Besonders ist, Nutzer von Android Smartphones und Google Produkten sehen sie jedoch täglich, ohne es zu wissen. Roboto ist die Standard-Schriftart von Android und die Hausschrift von mehreren Google Produkten. Wenn man sich als Android Nutzer fragt, wieso die Schrift auf dem Handy eigentlich immer super lesbar ist, dann liegt es an Roboto. Roboto kann wirklich alles. Was bei Helvetica oft geschätzt wird, geht bei Roboto richtig in die Tiefe. Die dicken Überschriften von Helvetica Now werden von manchen gerne angepriesen, ihnen gefällt dieses richtig Fett gedruckte bei Helvetica Now. Wer hätte es gedacht, Roboto kann das auch, aber dadurch, dass es enger und kompakter als Helvetica ist, ist noch mehr Platz da um Fett zu drucken und wirkt dann dadurch wie perfekt verlegte Pflastersteine.

Helvetica verliert bei der maximalen Härte auf dem Bildschirm an Genauigkeit und verschwimmt leicht, was ihr die ganze Kraft nimmt.

Was Helvetica gar nicht gut kann, aber bei Montserrat und Raleway geschätzt wird, ist, dass diese Schriftarten sehr gut ins Dünne gehen können. Nicht zu dünn, ein gut lesbares Dünn. Roboto hat dies mit der zahlreichen Vielfalt aber ebenfalls drauf, Roboto kann, wenn es will, auch hauchzart sein.

Nun kann Roboto alles, das technische ist drauf, es kann maximal Fett drucken und hauchzart sein, wodurch wir bei der Kombination von einer harten Überschrift und einem hauchzarten Paragrafen eine unverwechselbare Perfektion erleben, die keine andere Schrift so gut kann.

Die Härte ist manchen Kunden jedoch wieder etwas zu viel, weshalb es bei deren Webseiten dann doch meist bei Open Sans bleibt. Auf meinen Webseiten gibt es aber nur Roboto.